Entstehung

Soundpainting entstand aus dem Wunsch heraus, sich einem Jazz-Ensemble non-verbal mitzuteilen: Im Jahr 1974 gründete Walter Thompson ein Orchester mit Studenten der Creative Music School (CMS) in Woodstock, bestehend aus 22 Musikern und 7 Tänzern. Thompson produzierte eine Serie von drei Konzerten. Sein Fokus lag auf der Kombination von Kompositionen und offenen Improvisationen. Während dieser Phase entwarf er die ersten Zeichen, die später einmal zur Sprache des Soundpainting werden sollten.

 

Die ersten Zeichen entstanden spontan während des Eröffnungskonzertes. Thompson hatte eine Komposition aufgeschrieben, deren grundlegende Regel es für jeden Spieler war, in den improvisierten Solo-Teilen eine Verbindung zum notierten Material herzustellen. Der erste Solist folgte dieser Regel jedoch nicht und Thompson sah sich, um der ursprünglichen Idee der Komposition zu entsprechen, gezwungen, dem Ensemble eine begleitende Rolle zuzuweisen. Die Herausforderung bestand darin, dies mitzuteilen, ohne den Verlauf des Stückes zu unterbrechen. So entstand die Geste Long Tone, er zeigte auf mehrere Mitspieler und bedeutete ihnen zu beginnen. Sie verstanden seine Anweisung schnell und begannen mit der Begleitung. Ein paar Minuten später entwickelte er die Geste Pointillism, welche ebenfalls vom Ensemble verstanden und ausgeführt wurde. Nach dem Konzert verfolgte die Idee einer musikalischen Zeichensprache weiter und entwickelte in den darauffolgenden Jahren 40 neuen Zeichen.

 

1980 zog Thompson nach New York City und gründete das Walter Thompson Orchestra (WTO). Im ersten Jahr, während er eines seiner notierten Werke bei einem Konzert in Brooklyn, New York dirigierte, hegte er den Wunsch, dem Orchester Spielanweisungen zu geben und verwendete einige seiner Zeichen. Während der zweite Trompeter des Ensembles ein Solo ausführte, hatte Thompson den Wunsch, den ersten Trompeter eine wiederkehrende Begleitung dazu spielen zu lassen und er signalisierte dies mit dem Satz: Trumpet 1, Background, With, 2-Measure, Feel; Watch me, woraufhin er diesen einzählte. Der erste Trompeter reagierte jedoch nicht und starrte Thompson nur mit einem unwissenden Blick an. Thompson hatte zuvor nie seine Zeichensprache mit dem neuen Orchester geprobt und kein einziger Spieler wusste, was dieser mit den Gesten meint. Eine Woche später fragten einige Mitglieder während einer Probe nach den Gesten und Thompson brachte ihnen einige Zeichen bei, welche sie tadellos umsetzten und Thompson ermutigten, seine Zeichensprache weiter zu entwickeln. Innerhalb der folgenden zehn Jahre entwickelte Thompson Soundpainting zu einer verständlichen Zeichensprache mit über 200 Zeichen.

 

In den 1990 Jahren fragte Todd Reynolds (Mitglied des WTO) Thompson mehrfach, ob dieser ihm Soundpainting beibringen könne. Zunächst lehnte er dies ab, jedoch änderte er später seine Meinung und begann mit dem Unterrichten von Soundpainting. Von dort an teilte Thompson seine Erfindung mit Anderen und unterwies sie in dieser.

 

Seitdem hat sich eine stetig wachsende, weltweit agierende Gemeinschaft aus Soundpainterinnen und Soundpaintern gebildet. Es finden Konzerte, Workshops, Schulprojekte und viele weitere Soundpainting-bezogene Aktivitäten statt. Walter Thompson lädt einmal jährlich erfahrene SoundpainterInnen zu Think Tanks ein, bei denen neue Zeichen kreiert und diskutiert werden und die Zeichensprache kontinuierlich weiterentwickelt wird.

 

Mittlerweile hat Soundpainting den Weg in Musikschulen, Allgemeinbildende Schulen, Konservatorien, Landesmusikakademien, Hochschulen, Universitäten und weitere Institutionen gefunden.

 

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